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Im Rahmen der Auftaktveranstaltung von EUROPAN 11 im Berliner Energieforum vertrat Saskia Hebert die Teilnehmersicht auf das Verfahren EUROPAN 9 und schilderte Schwellen und Chancen in der Nachwuchsarchitekturproduktion.

Moderation: Kaye Geipel

Die “Versuchsanordnung” von Europan – junge Architekten bearbeiten reale Aufgabenstellungen – gleicht denen herkömmlicher Ideenwettbewerbe. Wichtiger Unterschied: Europan empfiehlt die Preisträger für eine Realisierung. Europan ist damit eines der heute leider sehr seltenen Wettbewerbsverfahren, das die in Ausschreibungen üblichen Schwellen (“…die geforderten Referenzen sind als Tätigkeit im eigenen Büro nachzuweisen…”) ganz bewusst herabsetzt – und damit erste Realisierungsprojekte auch für “Einsteiger” ermöglicht.

Der Entwurfskontext der Spremberger Aufgabenstellung lädt allerdings nicht unbedingt zum Bauen ein: Die Fragestellung, wie man die öffentlichen Räume zwischen Bahnhof und Innenstadt aktivieren könne, ist vor allem vor dem Hintergrund der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung und des demographischen Wandels eine, die nicht unbedingt von Architekten beantwortet werden muss. Jedoch liegt hier aus unserer Sicht eine existenzielle Herausforderung für die gesamte Disziplin – denn in Regionen, in denen der Leidens- den Nutzungsdruck übersteigt, ist das konventionelle Berufsbild, das erst in den Prozess einsteigt, wenn dieser bereits fast vollendet ist (und Grundstück, Raumprogramm und Finanzierung geklärt sind), ohnehin zum Scheitern verurteilt.

Der eingereichte Entwurf für Spremberg versucht daher, dieser Problematik auf strategische Weise gerecht zu werden. Er kombiniert einen konzeptionellen Ansatz (gezielte Punkte für Interventionen benennen) mit einer genauen Analyse der topographischen Situation (die in Spremberg zeigt, dass es vor allem künstliche Transformationen der ursprünglichen Landschaft sind, die hier Barrieren geschaffen haben). Die vorgeschlagenen Eingriffe werden weniger auf einer architektonisch-gestalterischen, als auf einer typologischen Ebene ausgearbeitet: Als “Brücken und Türen” stellen sie zeichenhafte Infrastrukturen dar, die sich gängigen Kategorien des Architekturdiskurses verweigern.

Naturgemäß lässt sich ein solches Konzept nicht 1:1 in die Realität umsetzen – auch, wenn der Spremberger Stadtrat die “Umsetzung von Europan 9” pauschal beschloss und damit eine große Gestaltungsfreiheit ermöglichte. Die Anpassung der Wettbewerbs-Pläne an die Realität (der Wünsche, aber auch der finanziellen Möglichkeiten) erfolgte im Rahmen eines Prozesses, an dem viele Akteure mit noch mehr Kompetenzen beteiligt waren. Nur so, in gemeinsamer Anstrengung, gelang es, innerhalb kürzester Zeit ein konkretes Projekt zu entwickeln, für dessen Finanzierung Fördermittel gesichert werden konnten. Dass dieses Projekt zu einem ganz wesentlichen Teil aus einem Gebäude besteht, halten wir für einen Zufall – stehen aber fortan gern für weitere  Freilichtbühnenwettbewerbe zur Verfügung!