Grüße aus der Zukunft 01

Lebensmittel.Punkt – Wohnen auf Zeit

Seit letztem September mache ich am BBZ eine Ausbildung zum Mechatroniker. Bis vor kurzem habe ich bei meinen Eltern in Putliz gewohnt. Das ist zwar gar nicht so weit weg, aber bis Wittenberge braucht man mit Bus und Zug fast 2 Stunden. Ich musste also unfassbar früh aufstehen oder meine Eltern mussten mich mit dem Auto bringen – auch nicht so cool, aber bei vielen meiner Freunde eben doch weit verbreitet. Jetzt brauch ich mit dem Rad nur 7 Minuten. Wenn ich verschlafen habe, reichen sogar 5.

 

Was aber noch viel besser ist: Statt bei meinen Eltern wohne ich jetzt mit anderen Jugendlichen zusammen. Jeder hat sein eigenes Zimmer, und man teilt sich zu viert Küche und Bad. Klar gibt´s manchmal Stress, weil fast alle zur gleichen Zeit raus müssen, aber es ist toll, abends noch zusammenzusitzen oder im Gemeinschaftsraum zu zocken. Außerdem gibt´s unten im Haus einen Laden, der regionale Lebensmittel verkauft. Ich bin echt nicht so der Biotyp, aber mittags kocht Manuel einen Eintopf aus allem, was er nicht verkauft bekommen hat. Das ist super, denn an das Selberkochen habe ich mich noch nicht gewöhnen können. Und der Mittagstisch ist für uns zu einem echten Treffpunkt geworden. Übrigens nicht nur für uns: Es kommen auch Leute aus der Nachbarschaft, und manchmal stoppen hier sogar ein paar Touristen auf ihrem Weg zur Elbe. Wenn man mit denen quatscht, hat man manchmal sogar das Gefühl, dass unser Berufsschul-Englisch nicht nur nerven sondern auch zu was gut sein kann.

 

Ich mag den Trubel um mich herum. Eine Wohnung für mich allein, das wäre mir zu einsam und auch zu viel Verantwortung. Jedenfalls im Moment noch. Im Haus wohnen auch zwei Mädchen aus Syrien und Yunis, ein Iraker hier. Der ist etwas älter als ich und hatte in Bagdad schon ein Informatikstudium begonnen. Er weiß viel übers Programmieren und hat mir schon einiges gezeigt. Im Sommer soll im Speicher ein hackathon stattfinden, da wollen wir zusammen mitmachen. Super ist es auch direkt auf dem Schulweg einen Skateplatz zu haben. Und die Elbe seh ich jeden Tag. Also mir gefällt´s hier echt gut.

Schon Wirklichkeit

Grandhotel Cosmopolis – Umnutzung eines leerstehenden Seniorenheims als Unterkunft für Geflüchtete, Ateliers und Hotel, Augsburg 2013

 

Vinzirast Mittendrin – Wohnprojekt für Studierende & ehemalige Obdachlose, Umbau zu Wohnungen und Gemeinschaftsflächen, Wien 2013

 

 Bellevue di Monaco – Rettung einer Leerstandsimmobilie zur Unterbringung Geflüchteter durch Aktivisten und Prominente, München 2015

 

 

Alle Transformationsgeschichten wurden 2018 von subsolar* Architektur und Stadtforschung im Auftrag der Stadt Wittenberge entwickelt. Sie basieren auf den Erkenntnissen der Rahmenplanung Packhofviertel und aktuellen urbanen Transformationsprojekten.

 

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Der subsolare Punkt

Vor beinahe 50 Jahren prägte der gelernte Nautiker, autodidaktische Designer und findige Ingenieur Richard Buckminster Fuller das Bonmot vom „Raumschiff Erde“, das mit einer Geschwindigkeit von mehreren tausend Kilometern pro Stunde um die Sonne kreist. Fuller vertrat in seinem Buch „Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde“ die Auffassung, dass das offensichtliche Fehlen einer solchen Teil eines intelligenten Plans sei: So nämlich, ohne Anleitung, seien die Menschen dazu gezwungen, ihr Schiff zu erforschen, zu verstehen und schließlich Sorge dafür zu tragen, dass es gut läuft bzw. fliegt – jetzt und in Zukunft.

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Gärkeller @ VOLLGUT

Für den Gärkeller unter dem Hof des VOLLGUT Areals in Neukölln hat subsolar* im Auftrag der Terra Libra GmbH eine Potenzialanalyse erstellt und einen Beteiligungsprozess initiiert.

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Inklusionsmaschine Stadt

Diskussion am 25.01.2019 zu den “Bauteilen” einer inklusiven Stadt an der Hochschule München bei Prof. Dr. Andrea Benze

Grüße aus der Zukunft: Wittenberger Transformationsgeschichten

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Rahmenplanung für das Packhofviertel in Wittenberge


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Urban Transformations @ Floating University

Am 17.05.18 war subsolar* mit einem Vortrag zu Urbanen Transformationen zu Gast an der Habitat Unit und an der Floating University: Nach den systemischen Erläuterungen von Ramana Gudipudi, Maria Rosa Munoz und Stefan Kreft fragte Saskia Hebert sich und das Publikum “How to act in fucked-up systems?” – und erläuterte einige Methoden anhand von Beispielen aus dem Studiengang Transformation Design.

Collaboratory

Für die Actors of Urban Change hat subsolar* ein Spiel entworfen: Das “Collaboratory“. Auf dem Academy Meeting zum Thema Partizipation in Vilnius konnten die Teilnehmenden der aktuellen Förderrunde nach einem theoretischen Input selbst ausprobieren, wie komplex gemeinsames Handeln schon in einer fiktiven Akteurskonstellation werden kann: Hier mussten – fast wie im richtigen Leben – nicht nur geteilte Interessen entdeckt, sondern auch fremde Perspektiven eingenommen und “hidden agendas” entlarvt werden.

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CUT@RNE

Der “Catalog of Unnecessary Things” (CUT), den die BA Design Studierenden der HBK Braunschweig im Sommersemester 2017 erarbeitet hatten, wurde beim #SDG Bildungswettbewerb #tatenfuermorgen des #RNE ausgezeichnet und am 30.01.2018 zum “Speeddating” eingeladen.

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Das kommende Verschwinden

Am 6. und 7.10. wurde in München Sebastian Blasius‘ Stück “Das kommende Verschwinden” aufgeführt: eine fiktive dystopische Konferenz, die im Jahr 2045 spielt und verschiedene mögliche, jedoch wenig wünschenswerte Zukünfte aufzeigt.

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EUROTOPIA

Am 4.3. fand anlässlich der Eröffnung der Produktion “Eurotopia” am Staatstheater Freiburg das erste von vier Themenwochenenden mit dem Titel “Das Europa der Städte” statt (siehe hierzu den Blogbeitrag der Dramaturgin Viola Hasselberg). Details »