Gebäudebedarfsplanung als Zukunftschance
Kirchenkreise sind nach §8 Kirchenbaugesetz zur Erstellung einer Gebäudeplanung verpflichtet. Diese dient in erster Linie der Vermeidung von Fehlinvestitionen und der Anpassung des Gebäudebestandes an die gesunkenen Mitgliederzahlen. Dabei bedingt es die Verfasstheit der evangelischen Kirche, dass Baulastträger – die Gemeinden – oft eine andere Perspektive und auch andere Ideen haben als übergeordnete Organisations- und Verwaltungseinheiten: Das Wissen über lokale und regionale Chancen und Risiken ist ungleich verteilt, und die jeweiligen Akteure sind nicht immer gut vernetzt.
subsolar* architektur & stadtforschung hat einen vierstufigen Prozess entwickelt, der auf Partizipation, Transparenz und inklusive Methoden setzt. „Kirchland“, also der Gesamtbesitz an Immobilien im jeweiligen Kirchenkreis, wird dabei als gemeinsamer Grund betrachtet, den es gemeinwohlorientiert zu entwickeln gilt. Gelingt dies, können Einnahmen aus Gebäuden des Finanzvermögens dazu verwendet werden, Gebäude im Zweckvermögen querzufinanzieren – oder das gleiche Prinzip wird innerhalb eines einzelnen, gemischt genutzten Gebäudes angewendet.
Dazu bedarf es nicht nur eines individuellen Zeit- und Arbeitsplanes und eines verantwortlichen Steuerungsgremiums (Phase 1), sondern auch eines Grundwissens über Zustand, Auslastung, Lage und Nachbarschaft jedes einzelnen Gebäudes (Phase 2). In die entsprechende Datenerhebung sind alle betroffenen Gemeinden bereits eingebunden. Auf dieser Basis finden in Phase 3 regionale Workshops in Form eines Strategiespiels statt, in dem mehrere Gemeinden gemeinsam diskutieren, welche Gebäude für einen Erhalt, eine Transformation oder eine Abgabe in Frage kommen. Ausgestattet mit diesem Wissensschatz kann in Phase 4 mit dem KKR ein Szenario erarbeitet werden, das vor allem die positiven Ziele deutlich macht: Die Sicherstellung einer „evangelischen Grundversorgung“, die wirtschaftliche Leistbarkeit trotz sinkender Einnahmen und nicht zuletzt die Innovationskraft, die sich aus der Nutzung einer Krise als Chance entwickeln kann. Zu diesem Zweck wird eine Einteilung aller Gebäude in verschiedene Förderkategorien erarbeitet und eine narrative Karte erstellt, die die Zukunft aller Standorte in kurzen, prägnanten Geschichten lesbar macht. Auf Grundlage dieser Synthese fasst die Synode einen Beschluss zur Umsetzung, zum Monitoring und zur regelmäßigen Fortschreibung der Bedarfsplanung.
subsolar* entwirft und begleitet den Prozess und führt die Datenerhebung in Abstimmung mit dem Kirchenverwaltungsamt (KVA) und den betroffenen Gemeinden durch. Zu jeder Arbeitsphase wird eine karten- und textbasierte Dokumentation erzeugt und allen Beteiligten zur Verfügung gestellt. Teil des Prozesses sind regelmäßige Treffen mit dem Steuerungskreis, Präsentationen und Workshopformate.
Das Konzept wurde im und mit dem Kirchenkreis Spandau entwickelt und zum ersten Mal vollständig durchgeführt. Der Kirchenkreis Steglitz befindet sich derzeit in Phase 4, der Kirchenkreis Berlin Nordost in Phase 2.


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