Grüße aus der Zukunft 10

Ein.Laden – Leerstandsaktivierung

Seit meinem Auslandssemester in Japan bin ich verrückt nach Algen. Über 10.000 verschiedene Arten gibt es, viele davon sind wahnsinnig gesund. Vor 3 Jahren habe ich dann ein Unternehmen gegründet, das verschiedene Seegräser in pulverisierter Form importiert und vertreibt. Zu Beginn vom Küchentisch aus. Das einzig Gute daran: mein nicht vorhandener Arbeitsweg. Ansonsten habe ich schnell gemerkt: Selbständig zu arbeiten und alleine eine Geschäftsidee an den Start zu bringen, kann gerade zu Beginn eine sehr einsame Sache sein. Ich brauchte einen Ort, an dem ich konzentriert arbeiten, aber auch in Kontakt mit der Außenwelt treten konnte. Wenn man schon keine Kollegen hat, dann will man zumindest ein wenig Leben um sich haben.

 

Ich habe dann im Gleis Neun Co-working ausprobiert, aber ich kann mich im Großraumbüro nicht so gut konzentrieren. Und seit mein Unternehmen wächst, brauche ich einfach mehr Platz. Ich gehe aber immer noch gerne zu Veranstaltungen dort hin. Die Gründerabende sind klasse. Wenn man mal Unterstützung braucht, findet sich immer jemand, der mehr weiß, als man selber. Über meinen Laden bin ich dann eher zufällig gestolpert. Ich war bei der Haus-sucht-Mieter-Börse des Häuserheims. Eine freie Bürofläche hatten die nicht im Angebot, aber jede Menge Läden. Ich war erst skeptisch: Der Markt, den ich bediene, ist doch sehr speziell. Ich brauche weder Verkaufsfläche noch Laufkundschaft. Meine Kunden sitzen überall in Europa und kaufen über das Internet. Als Kind hab ich mir selber noch an Schaufenstern die Nase plattgedrückt und die Auslagen bestaunt, heute steht uns mit dem Internet ja die ganze Welt offen. Aber unter anderem deswegen schließen ja zur Zeit so viele Läden ihre Türen für immer, und die Städte sterben nach und nach aus. Warum also nicht mal etwas neues versuchen?

 

Schon mein Einzug hat mich mit meinen neuen Nachbarn verbunden. Die hatten 1000 Fragen: Wer bist du? Was passiert hier? Wie, du willst ernsthaft mit Seetang Geld verdienen? Ich hätte nicht gedacht, dass diese leeren Läden die Menschen so beschäftigen. Viele haben mir gesagt, dass es ihnen ganz egal ist, was ich da mache, Hauptsache die Fenster sehen nicht mehr so tot aus. Jetzt ist mein Schaufenster hell und lebendig, und ich habe angefangen, die Algen auch zu Netzen, Matten und Deko-Elementen zu verarbeiten. Ich finde es toll, dass mich bei meiner Arbeit nur ein dünnes Glas von Straße und Passanten trennt. Da kommt es immer wieder vor, dass man ein paar Worte wechselt. Mittlerweile öffne ich sogar einmal im Monat ganz offiziell die Tür und lade zu Algensmoothies und Gesprächen ein. Daraus sind schon viele Ideen entstanden. Mein Traum wäre es, wenn auch die anderen Läden eine neue Nutzung fänden. Die Wilhelmstraße als Start-Up-Meile: Das wäre mal eine positive Veränderung mit Strahlkraft! Vielleicht sogar ein Alleinstellungsmerkmal. Und Läden gibt es hier wirklich genug.Schon Wirklichkeit

Lichtblick Ludwigstraße – „LICHT AUS“ Aktion zur IBA Stadtumbau 2010, Bürgerbeunruhigung und Einladung zum Mitgestalten, Köthen 2010

 

Süntellädchen – Dorfladen für den Verkauf regionaler Produkte, Neubau mit Strohballendämmung durch Bürger*inneninitiative, Flegessen 2016

 

Museum öffne dich! – dezentrale Ausstellung in Schaufenstern von leerstehenden Ladenlokalen, Museum Wustrow, studio achtviertel, Wendland 2015

 

Grüße aus der Zukunft  >>  Wittenberger Transformationsgeschichten

Alle Transformationsgeschichten wurden 2018 von subsolar* Architektur und Stadtforschung im Auftrag der Stadt Wittenberge entwickelt. Sie basieren auf den Erkenntnissen der Rahmenplanung Packhofviertel und aktuellen urbanen Transformationsprojekten.

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Der subsolare Punkt

Vor beinahe 50 Jahren prägte der gelernte Nautiker, autodidaktische Designer und findige Ingenieur Richard Buckminster Fuller das Bonmot vom „Raumschiff Erde“, das mit einer Geschwindigkeit von mehreren tausend Kilometern pro Stunde um die Sonne kreist. Fuller vertrat in seinem Buch „Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde“ die Auffassung, dass das offensichtliche Fehlen einer solchen Teil eines intelligenten Plans sei: So nämlich, ohne Anleitung, seien die Menschen dazu gezwungen, ihr Schiff zu erforschen, zu verstehen und schließlich Sorge dafür zu tragen, dass es gut läuft bzw. fliegt – jetzt und in Zukunft.

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Zukunfts Strateginnen

Wie die Nachhaltigkeit leider doch nicht in Stuttgart Stöckach intervenierte

In ihrem Screencast für das Panel “Housing and Care” bei der Degrowth Konferenz in Wien analysierte Saskia Hebert am 29.5.2020 das Scheitern von subsolar*s Beitrag für den offenen zweiphasigen Wettbewerb der ENBW und der Stadt Stuttgart.

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JER Sanierung und Erweiterung des Jeremia-Gemeindezentrums

Die evangelische Zuflucht-und-Jeremia-Kirchengemeinde befindet sich im Umbruch: die beiden Gemeinden werden zu einer zusammengelegt und werden künftig nur einen Standort als Gemeindezentrum benötigen. Neuer gemeinsamer Treffpunkt für Kirchgänger und Kitakinder werden die Räume der Jeremia-Gemeinde. Ausgehend von dem zukünftigen Bedarf an Räumlichkeiten für das gemeindliche Leben gilt es für das Gebäudeensemble aus den 60er Jahren angemessene gestalterische und technische Lösungen für eine zukunftsfähige Weiternutzung zu finden.

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ZUF Umnutzung des Zuflucht-Gemeindezentrums

Die beiden Gemeindestandorte der evangelische Zuflucht-und-Jeremia-Kirchengemeinde fusionieren und werden künftig nur noch einen Standort als Gemeindezentrum benötigen. Während das Gebäudeensemble Jeremia umgebaut wird, sollen für diese Bauphase Kitakinder und Gemeindemitglieder in den Räumen der Zufluchtgemeinde untergebracht werden.

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Willkommen im SUNIVERSUM

Im Rahmen des Masterplans 100% Klimaschutz unterstützt der Regionalverband Großraum Braunschweig (potentielle) Akteure aus dem Feld der Suffizienz bei der Bildung eines verbandsweiten Netzwerks. Die Community im Großraum Braunschweig besteht aus heterogenen Akteuren. Neben Unternehmen, Gemeinden und wenigen Politiker*innen engagieren sich hier vor allem Vereine und zivilgesellschaftliche Initiativen.

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Gärkeller @ VOLLGUT

Für den Gärkeller unter dem Hof des VOLLGUT Areals in Neukölln hat subsolar* im Auftrag der Terra Libra GmbH eine Potenzialanalyse erstellt und einen Beteiligungsprozess initiiert.

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Inklusionsmaschine Stadt

Diskussion am 25.01.2019 zu den “Bauteilen” einer inklusiven Stadt an der Hochschule München bei Prof. Dr. Andrea Benze

Werkstatt für spekulative Bewegung

Am 01. und 02. Dezember 2018 fand im Haus der Statistik die “Werkstatt für spekulative Bewegung” statt. Sabine Zahn und Saskia Hebert suchten in Kooperation mit Markus Bader und dem UDK Forschungs-Projekt “Making Futures” nach Ansätzen für einen veränderten methodischen Umgang mit “Architektur als Ressource”. Details »

mitOST

Für die Bürofläche der gemeinnützige Organisation MitOst entwickelte subsolar* ein modulares System aus Sitz- und Regalmöbeln.

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Grüße aus der Zukunft: Wittenberger Transformationsgeschichten

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