Grüße aus der Zukunft: Wittenberger Transformationsgeschichten

 

Die Stadt Wittenberge hat in den letzten 100 Jahren reichlich Erfahrungen mit urbanen Transformationsprozessen gesammelt: Sie hat vier verschiedene politischen Systeme und den Aufstieg und den Niedergang als Industriestadt erlebt. Globalisierung und Digitalisierung haben die Erreichbarkeit fremder Orte und die Sehnsüchte der hier lebenden Menschen verändert, aber auch ihre Ängste und Erwartungen. Dabei wird die Stadt von morgen der von heute nicht ganz fremd sein: Gebaute Strukturen ändern sich langsam, werden obsolet und wiederentdeckt. Wo dies nicht möglich ist, machen sie Neuem Platz – oder auch der Natur, die sich besiedelte Räume wieder aneignet.

 

Zum Brandenburgtag 2018 entstand die Idee, die Potenziale und Möglichkeiten der nebenstehenden Rahmenplanung (linkes Schaufenster) einmal nicht in Pläne, Karten und Ratsbeschlüsse zu übersetzen, sondern Geschichten zu erfinden. Die 13 Tafeln erzählen von fiktiven Personen, die sich 2025 in Wittenberge angesiedelt oder ihre Wohnsituation innerhalb der Stadt verändert haben werden. Sie sind alle erfunden, denn keiner kann wissen, was die Zukunft bringt. Dennoch sind sie keineswegs „frei“ erfunden, wie es in Romanen immer so schön heißt: Sie sind an jene Wittenbergerinnen und Wittenberger angelehnt, die heute schon dort leben – und an andere Menschen an anderen Orten, die ähnliche Projekte wie die hier gezeigten schon einmal erprobt haben.

 

Einige Merkmale der heutigen Stadt und ihrer Bewohner*innen finden sich auch in dieser Zeitreise in die nahe Zukunft wieder: das Nebeneinander unterschiedlicher Formen des Wohnens und Arbeitens, die Mischung aus Alt und Neu, der Bezug zur Landschaft, das persönliche und gemeinschaftliche Engagement. Niemand weiß genau, wie wir morgen arbeiten, leben und wohnen werden – nur die Wahrscheinlichkeit, dass alles beim Alten bleibt, ist sehr gering. Die spekulativen Szenarien zeichnen ein facettenreiches Bild, dass ganz verschiedene mögliche Zukünfte vorstellbar macht und möchten dazu anregen, sich andere, eigene auszudenken. Vielleicht sind es 2025 dann nicht Jannis und Max, Katja und Daniela, die von ihren Erfahrungen erzählen, sondern andere Menschen. Es wird uns freuen, auch ihre Geschichten zu erzählen – jene, die sich dann wirklich ereignet haben werden.

 

Wir möchten mit diesem Projekt nicht nur dem recht verbreiteten, oft diffusen Gefühl etwas entgegensetzen, dass „früher alles besser“ war, sondern auch der ebenfalls oft zitierten Ansicht, dass die gegenwärtigen Transformationen „alternativlos“ seien und daher nicht gestaltbar. Im Grunde ist es mit der Zukunft wie mit dem Lottoschein, den man schon ausfüllen muss, wenn man etwas gewinnen will – oder anders herum ausgedrückt: Auch das Nichthandeln wird Konsequenzen haben, wenn auch vielleicht nicht die, die man erwartet. Wie aber, so könnte man sich nun fragen, entsteht aus lauter persönlichen Lebensentscheidungen eine veränderte Stadt? Um ehrlich zu sein: Auch das weiß niemand genau. Aber eine Idee bekommt man vielleicht, wenn man sich die hier gezeigten Beispiele anschaut und auf der untenstehenden Karte sucht – oder sie sich gleich hier im Stadtraum von Wittenberge vorstellt.

 

01 Lebensmittel.Punkt – Temporäres Wohnen

02 Häuserheim – Netzwerkagentur

03 Ciderspace – Die produktive Stadt

04 Die Selberbauer – Muskelhypothek

05 Hand<>Werk – Miteinander machen / voneinander lernen

06 Raumwunder – Kapazität und Flexibilität

07 Gemeinsam statt einsam – Seniorenwohnen plus

08 Die Konsumgenossen – Gemeinschaftliches Wohnen

09 Mittendrin statt am Rand – Neue Quartiere

10 Ein.Laden – Leerstandsaktivierung

11 Gleis Neu(n) – Co-Working

12 Alle unter einem Dach – Generationenwohnen in Mieterinitiative

13 In der Reihe tanzen – Baugruppenprojekt

 

Alle Wittenberger Transformationsgeschichten als pdf zum download

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